Burda Schnittmuster Bluse mit Streifen und Zitronen
Nähen

Streifen, Trends und Zitronen – meine Burda 11/2016 Bluse die Zweite

Werbung, da Markennennung

Ich weiß nicht, wie es bei euch war – als Nähanfängerin war ich etwas überrascht, als ich gesehen habe, dass es auch in der Nähcommunity weltweit ausgeprägte Trends gibt. Gewisse Schnittmuster, Stoffe, Modelle werden gefühlt in jedem Nähblog und jedem Nähforum zeitgleich ausgelebt.

Es ist irgendwie witzig, denn viele fangen ja gerade deshalb damit an, ihre Kleidung zu Hause anzufertigen, um der allgemeinen Modediktatur zu entgehen. Einmal eine Jeans mit hohem Bund zu besitzen, während es in Geschäften nur Hosen a la Britney Spears anno 2000 gibt. Oder umgekehrt. Endlich kann man sich alles, alles selber nähen, was man schon immer haben wollte!

Petticoats, Paperbag und Sorbetto

Und dann näht man das, was schon andere 100+ Nähblogerinnen genäht haben. Zumindest war das bei mir so. Vor fünf-sechs Jahren, als ich mit dem Nähen angefangen habe, war der Trend zu Vintage Kleidern (nach originalen Schnittmustern und Reproduktionen) und Tellerröcken gerade am Ausklingen. Da bin ich noch genau rechtzeitig raufgesprungen und habe diesen voll ausgekostet. Zum Beispiel mit diesem Kleid… Und wie kommt es, dass ich die zahlreichen Halbtellerröcke noch immer nicht verbloggt habe, die ich damals eins nach dem andern produziert habe?..

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen Jumpsuit und eine Paperbag-Hose zu nähen, die jetzt gerade so aktuell sind. Da werde ich wieder mal die Letzte sein, was ich auch okay finde. Vielleicht findet ja jemand bis dahin den ultimativen Pipi-Trick für die Jumpsuit-Trägerinnen.

Blau-gestreifte Bluse mit Zitronenmuster kombiniert mit Shorts

Aber den Trend mit dem Sorbetto-Top habe ich mitgemacht; auch wenn ich das Top im Endeffekt selbst konstruiert habe. Ob das eine gute Entscheidung war, darüber schreibe ich ein anderes Mal. Wenn ich meinem Instagram Feed Glauben schenken darf, ist das Cuff Top der würdige Nachfolger von Sorbetto, denn dieser wird in diesem Sommer massenweise produziert. Ich habe gerade schön geschaut, als ich gesehen habe, dass dieses – ähm, doch sehr anfängertaugliches – Schnittmuster, im Gegensatz zum kostenlosen Sorbetto, 19 Euro kostet! Vielleicht lasse ich auch diesen Trend aus, obwohl ich das Top eigentlich richtig cool finde. Aber da müsste ich ca. 19 davon nähen, damit es sich ähnlich lohnt, wie der Kauf einer Burda-Zeitschrift…

And all that I can see / is just another lemon tree

Ich habe es nie geplant, den Trend mit den Zitronen mitzumachen. Dolce & Gabbana haben es 2016 vorgemacht, mit saftigen reifen realistischen Zitronen auf Seidentüchern, Kleidern, Blusen, Sonnenbrillen, Schuhen und Taschen. 2017 zogen auch andere High-Street-Ketten nach, und im letzten Sommer war der Trend voll und ganz in der Nähwelt angekommen. Der Sommer 2018 war für mich nicht gerade der produktivste in Sachen Nähen aus diversen Gründen, also habe ich einfach nur gerne die Werke von anderen bestaunt, bewundert, angeschmachtet.

Gestreifte Bluse mit Zitronenprint, Schnittmuster Burda

Und im Juni 2019 schließlich, also SS19, während D&G aktuell auf Hähne, Heilige und Kakteen setzt, finde ich dieses Reststück aus Viskose, mit Zitronen! und Streifen! 6 Euro pro Meter. Na klar, denn wer näht dieses Jahr noch Zitronen?

In den sauren Apfel, äh Zitrone gebissen

Ruck-zuck war der Stoff gekauft, und noch am selben Tag die Bluse aus der aktuellen Burda abgepaust. Die Stoffempfehlung gab zwar „festere Stoffe“ an, und ich hatte diese weiche Viskose, aber dafür versprachen die Abnäher und die Gesamtkonstruktion ein schönes Spiel mit den Streifen.

Wie groß war denn meine Überraschung, als ich die Schnittteile auf dem vorgewaschenen und gebügelten Stoff ausgebreitet habe! Es war sofort zu sehen, dass der Stoff hinten und vorne nicht ausreicht. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, immerhin hatte ich 1,50 Meter, und der Stoff ist auch „normal“ breit.

Dass ich mit meinen Stoffmengen zaubern kann, habe ich eindrucksvoll hier bei diesem Rock und auch hier bei dieser Bluse bewiesen. Hier war ich aber machtlos. Ein weites Modell mit vielen Abnähern, einer Knopfleiste und weiten langen Ärmeln – da war wirklich nichts zu machen. Der angeschnittene Beleg für die Knopfleiste war es wohl, der meinem Wunschprojekt den finalen Todesstoß verpasst hat – Lektion für später gelernt. Geknöpfte weite Blusen brauchen viel Stoff.

Bluse mit blauen Streifen und Zitronen vor blauem Hintergrund

Schlicht ist doch am besten

So faul ich bin, war es für mich sofort klar, dass ich keine zweite Bluse extra für diesen Spontankauf abpausen werde. Das erste Schnittmuster habe ich sogar von der kleinsten Größe 36 auf 34 verkleinern müssen – dh ich habe auch noch eine Fleißaufgabe machen müssen. Nein, das war’s dann!

Also habe ich nachgeschaut, welche Schnittmuster in meiner Sammlung schon genäht worden und bereit zum Zuschnitt sind. Die Bluse musste auf jeden Fall lange Ärmel bekommen. Einerseits würde so das Muster besser zur Geltung kommen, und andererseits hatte ich keine Lust darauf, 0,7 Meter für eine ärmellose Bluse zu verbrauchen und auf dem Rest sitzen zu bleiben. Vielleicht nähe ich deshalb so selten Modelle ohne Ärmel…

Da ich beim Nähen eine begeisterte Wiederholungstäterin bin, stellte sich schnell heraus, dass ich eine gar nicht so große Auswahl habe. Die Burda 11/2015 Bluse habe ich schon vier Mal genäht, irgendwann wird es sogar mir zu langweilig. Eine schlichte geknöpfte Hemdbluse mit richtigen Manschetten wollte ich nicht – das würde in meinen Augen so gar nicht zum Stoff passen. Die Burda 3/2018 Bluse habe ich nicht mal in Betracht gezogen, denn sie ist ein ähnlicher Stofffresser wie das ursprüngliche Wunschmodell.

Bluse mit Zitronenprint Schnittmuster Burda

Blieb noch diese Bluse (Burda 11/2016) übrig, die ich 2017 genäht habe.

Seidenbluse mit Vogelprint
Bluse mit Vögelchen von 2017: die erste Version

Dadurch, dass ich bereits wusste, welche Änderungen bei diesem Projekt sinnvoll sind (nein, ich wusste es natürlich nicht mehr, aber ich habe es bei mir im Blog nachgelesen, haha), ist es dann ganz schnell gegangen.

Meine Anpassungen

Ich war verwundert, als ich nachgelesen habe, dass ich das Schnittmuster beim ersten Mal um 4 cm an der Taille verschmälert habe. Die Vögelchen-Bluse ist immer noch so weit, dass ich darin 2018 im 8. Monat schwanger Geburtstag gefeiert habe. Dieses Mal habe ich diese Anpassung natürlich auch beibehalten.

Den Reißverschluss habe ich dieses Mal natürlich weggelassen. Mein Kopf passt ohne Probleme in den Ausschnitt rein; ich frage mich, welcher Kopf da nicht reinpassen könnte. Seit der ersten Vögelchenbluse messe ich den Halsausschnitt bei den Blusen immer ab, bevor ich mich mit Verschlüssen jeglicher Art herum plage.

Die Ärmel mit dem eingezogenen Gummi beim Saumabschluss stören mich bei der Vögelchenbluse sehr. Ich mag keine richtig langen Ärmel bei Blusen und ziehe sie sowieso immer hoch. Abgesehen davon finde ich das Gummiband eher eine passende Lösung für Kinderkleidung.

Deshalb kam ich auf die Lösung einer russischen Instagram-Näherin, die diese Bluse 2017 etwa zeitgleich mit mir genäht hat. Sie hat den Ärmeln „falsche Manschetten“ verpasst. Diese sind im schrägen Fadenlauf zugeschnitten und brauchen keine weiteren Verschlüsse. Das war auch endlich die Gelegenheit, mit den Streifen zu spielen!

Viskose mit Zitronenprint - Bluse Schnittmuster Burda

Die neuen Ärmel

So habe ich es gemacht: ich habe die Ärmel um 20 cm gekürzt (dass sie immer noch so lang sind, liegt an meinen kurzen Armen im Verhältnis zum Körper) und unten am Saum um 3 cm verschmälert. Dann habe ich den Unterarm abgemesen, an der Stelle, wo der Ärmel erwartungsgemäß aufhören würde, und 2 cm Bequemlichkeitszugabe plus insgesamt 3 cm Nahtzugabe hinzugerechnet. Die Manschetten habe ich im schrägen Fadenlauf zugeschnitten und mit dünner Einlage verstärkt. Da die Manschetten schmäler sind als der Ärmel, habe ich die Ärmel gekräuselt, bevor ich die Manschetten angenäht habe. Passt gut zu den Kräuselungen unter den Schulterpassen – aber Viskose ist kein kräuselfreundlicher Stoff, ich finde, das kommt alles gar nicht so gut zur Geltung.

So wie die Ärmel dieses Mal geworden sind, mag ich sie sehr! Ob das an den Ärmeln liegt, dass ich die Zitronenbluse diesen Sommer so viel öfter getragen habe, als die Vögelchenbluse?

Das Gesamtoutfit

Bluse mit Zitronenprint, kombiniert mit Shorts, im Vergnügungspark

Bluse: Burda Style 11/2016 #109

Shorts: Mango

Espadrilles: Anna Field

3 Comments

  • Sandra

    Ich will ehrlich sein, ich hab mich am Anfang etwas über den Titel gewundert, sah ich auf dem Mini-Handy-Vorschaubild, doch nur hübsche orange Rübchen auf Deiner Bluse 😳. Allerdings wurde selbst meinem verqueren Hirn schnell klar, dass Rüben kein typisches Stoffmuster sind und somit war das Zitronenrätsel gelöst 😁. Aber egal, ob nun Zitronen oder Rüben, mir gefällt der Stoff, den ich selbst wohl niemals den Mut hätte zu kaufen. Oder jetzt vielleicht doch? Denn, auch wenn Trends zu Langeweile führen können, wenn alle nur mit dem Gleichen durch die Gegend rennen, machen sie manchmal auch Mut, etwas auszuprobieren, was man sich sonst so gar nicht getraut hätte. Und da mir Deine Bluse vom Schnitt und vor allem vom Stoff so gut gefällt, geh ich jetzt auch mal auf Zitronensuche 😀.
    LG Sandra
    P.S.: Die Burdabluse 108A/B 2/2018 kommt meines Erachtens dem Cuff Top ziemlich nah, vielleicht willst Du diese günstige Alternative ja mal probieren. Aus einem Rundhals- einen U-Boot-Ausschnitt zu machen, ist sicher kein Problem.

    • Juli

      Liebe Sandra, danke für dein Kommentar! Ich bin an und für sich auch kein Fan von Lebensmitteln auf der Kleidung (vielleicht weil ich sie durch mein Kleinkind viel zu oft in echt abbekomme 😅), aber Zitronen sind für mich gerade weit weg genug von „normalen“ Sachen zu essen. So könnte ich mir auch einen botanischen realistischen Rübenprint sogar eher vorstellen, als Bananen, Muffins und Kirschen. Diese sind ja auch nicht gerade out momentan 😁 Schön, wenn dich der Post etwas inspiriert hat! Die verschiedenen Zitronenprints, die ich gesehen habe, haben alles was gemeinsam: außer dem frischen Gelb haben sie einen weiß – un😂d grün- und blau-Anteil und stehen somit Leuten wie mir, die eigentlich kein Gelb tragen können 💛.
      Und danke für den Tipp mit der Cuff Bluse! Ich habe diese Ausgabe auf jeden Fall. Der andere Ausschnitt würde mich vielleicht gar nicht stören, ich glaube, was den Hype um dieses Schnittmuster ausmacht, ist nicht nur das Design an sich, sondern, dass ein mittelschwerer fester etwas steifer Webstoff verwendet wird. Das macht das Top so modern und so richtig in 2020 angekommen. Lass mich raten ( bzw. ich schau nach, wenn ich wieder daheim bin) – Burda verwendet fließende Viskose oder Seide für die Bluse? 😊
      Ganz liebe Grüße Juli

      • Sandra

        😁 Richtig geraten, Burda verwendet Viskose bzw. Krepp. Und, ja, ich vermute auch, dass im Moment jede einfache, aus Webstoff nähbare Bluse gute Chancen hat, wenn sie nur einigermaßen clever beworben wird. Ich will den Indie-Designern auch nicht ihre Existenzberechtigung absprechen. Trotzdem bereitet es mir immer wieder Vergnügen, wenn in meinem Umfeld neue gehypte Schnittmuster auftauchen, diese mit: „Gibt’s bei Burda in der und der Ausgabe schon.“ zu kommentieren 😁. Dabei ist mir natürlich klar, dass zu einem erfolgreichen Schnitt die Designbeispiele und die ausführliche Anleitung meist mehr zum Erfolg beitragen, als der Schnitt selbst. Das sind unsere Lemminggene, vermute ich. Ich bin da nicht frei von. Zumindest ein paar Schnitte dümpeln auch auf meiner Festplatte herum, wurden zwar mal aus Teststoff genäht, haben aber nie Eingang in meine Garderobe gefunden. Irgendwas war immer und es gab immer einen Burdaschnitt, der’s besser konnte 😉.
        LG Sandra

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