Roter Rock im Hintergrund Weinberge mit Blick auf Wien
Nähen

Wieder Weinberge mit Vino – Rock Burda 10/2017 #109

Habt ihr nicht bereits genug von den gelben Blättern und herbstlichen Landschaften? Also ich schon. Um ehrlich zu sein, sehne ich bereits wärmere und hellere Tage herbei. Nicht meine Lieblingsmonate, der November und der Dezember (zumindest bis zu den Feiertagen).

Aus der Zeit, als der Herbst noch frisch und jung war und Freude gemacht hat, habe ich aber noch Fotos von dem Rock aus den Resten der Wolle-Kaschmir-Mischung Vino. Diese möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Ich liebe Resteverwertung

In den letzten Monaten ist es bei mir zu einer Art Hobby geworden. Wenn ich ein Stück Stoff aus meinem Lager entnehme, mache ich so lange Projekte daraus – eins nach dem anderen, – bis auch jedes Fitzelchen verschnitten und verbraucht ist. Am besten funktioniert das bei Jerseys. Da bekomme ich aus einem 140×90 cm Stück ein Shirt und eine Hose in Größe 92/98, Raglanärmel für ein weiteres Shirt sowie ein Sabbertuch heraus.

Von der traumhaften Wollmischung Vino, die ich von aktivstoffe.de bekommen habe, ist übrigens auch ein ca. 30×60 Reststück übriggeblieben, selbst nach dieser Jacke und dem in diesem Post besprochenen Rock. Ich überlege noch, was daraus entstehen könnte, da die Option des Sabbertuchs bei einem flauschigen Wollstoff entfällt. Vielleicht Vorderteile für eine Weste? Kennt jemand ein gutes Westen-Schnittmuster für Buben ab Größe 98?

Rock mit Passe Schnittmuster Burda Herbstoutfit
Hier sind sie zusammen – die Jacke und der Rock. So habe ich sie auch gerne getragen, bis das Wetter zu kalt für die dünne Jacke geworden ist.

Faltenrock mit Passe – das Schnittmuster

Zurück zum Rock! Es gibt vielleicht den einen oder den anderen Grund, warum ich dieses Mal so gerne abschweife…

Das Schnittmuster ist aus der Burda Oktoberausgabe von 2017. Das Modell ist zeitlos und verbraucht wenig Stoff, deshalb habe ich mich sehr rasch dafür entschieden. Ein gerader Rock wäre natürlich auch eine gute Option gewesen, aber ich hatte im Hinterkopf, dass ich bald ein lächerlich kleines Stück Harris Tweed zuschneiden würde (was habe ich mir dabei gedacht, so wenig davon zu kaufen?) und der könnte nun mal nichts anderes als ein kurzer gerader Rock werden. Hier hatte ich mehr Freiheiten, die ich auch nutzen wollte.

Tja, vielleicht wäre es besser, ich hätte nun zwei gerade Röcke…

Jacke und Rock genäht aus Wollstoff Vino Aktivstoffe.de

Das Projekt war schnell und unkompliziert zu nähen. Ich habe das Schnittmuster im Gegensatz zu den 5? (wenn nicht noch mehr) vorangegangen Rockmodellen aus Burda auch gar nicht eine Größe kleiner gradieren müssen, denn es gibt ihn bereits ab Größe 34. Seltsamerweise ist es auch das Rockmodell, das die schlechteste Passform hat, möglicherweise von allen Röcken, die ich je genäht habe…

Als Futter habe ich die violette Viskose genommen, die ursprünglich für diese Jacke vorgesehen war, bevor ich auf die traumhafte Seide mit den Pilzen gestoßen bin. Auch der Nahtreißverschluss kam aus meinem Bestand – Seit einigen Monaten bin ich jedes Mal auf eine Kinderbetreuung angewiesen, wenn ich was kleines im Nähzubehörladen brauche. Zuviel Glitzer, Glanz und Glamour, und das alles frei zugänglich, das kann ich einem passionierten Toddler und meinen Nerven nicht antun. Also habe ich eine Großpackung Reißverschlüsse in allen möglichen Farben bestellt – das war sehr günstig und ich finde tatsächlich immer was Passendes. Aber eben aus dem Netz bestellt, anstatt dass ich die kleinen Läden vor Ort unterstütze, schade.

Somit habe ich diesen Rock zum Abbau meiner Lagerbestände genutzt, und das ist doch positiv. Positiv ist auch, dass er sich sehr angenehm trägt (natürlich! Diese Wolle!) und zusammen mit hohen Stiefeln einfach super warm und gemütlich ist. Ich trage ihn wirklich gern. In die Arbeit. An meinen kurzen Tagen. Besonders an den „Recherche“-Tagen, wenn ich weiß, heute bekommen mich nicht viele Kollegen zu Gesicht. Denn…

Er steht mir nicht!

Herbstoutfit Rock und Jacke aus Wolle

Burda (und Frauenzeitschriften im Allgemeinen) verspricht bei nahezu jedem Rock mit Passe, dass dies ein Schlanker-macher sei. Schließlich liegt die Passe eng an der Hüfte an, sodass „nichts aufträgt“. Die üppigen Falten fangen erst unterhalb der Hüfte an.

Da ich in meinem Leben nur 10 Wochen lang mehr als 50 kg gewogen habe, und das war in den letzten Monaten meiner Schwangerschaft, habe ich nicht so viel Erfahrung mit „verschlankender“ Kleidung. Gerade deshalb frage ich mich jedes Mal, wenn ich den Rock trage – WIE? Wie kann mich ein einziges, nicht mal besonders dickes Kleidungsstück 10 Kilo schwerer aussehen lassen, als ich bin?

Und eine allgemeinere Frage: warum soll eine breite Passe die Trägerin schlanker wirken lassen? Sie schmiegt sich doch eng an die breiteste Stelle des Körpers (auch bei schlanken Menschen, bzw. gerade bei denen ist die Hüfte viel breiter als der Rest). Und gerade da, wo die Beine anfangen und die Silhouette wieder schmäler wird, kommen die (bei mir recht lustlos hängende) Falten ins Spiel und machen mich vollkommen kastig.

Rock und Jacke Aussicht Weinberge
Deshalb habe ich diesmal so viele Fotos in Bewegung – da kommt meine Eitelkeit ins Spiel. Ruhig herumstehen ist eine schlechte Idee, wenn ich in diesem Rock gut aussehen will – nur gut, dass ich auch im realen Leben dauernd zappele.

Die Gründe sind klar – nachgenäht wird der Rock trotzdem nicht

Eine der Ursachen für den unvorteilhaften Look ist sicher die, dass der Rock in der Taille zu groß geworden ist. Entweder habe ich den Schnitt falsch abgenommen oder gradiert, oder die Wolle hat sich trotz Stabilisationseinlage gedehnt beim Nähen. Hier hätte eine enge Stabilisationsnaht gleich zu Beginn vielleicht Wunder bewirkt. Und dennoch: kneife ich den Rock hinten im Bund etwas zusammen und ziehe ihn hoch, kommt kein Aha-Effekt (und schon gar kein Wow-Effekt) zustande. Dann habe ich eben einen etwas kürzeren unvorteilhaften Rock.

Burda verwendet für dieses Schnittmuster einen festen Metallic-Jaquard mit viel Stand. Die Falten und der Saum kommen so besser heraus, als bei mir. Meine Wolle ist eher weich, und macht bei meiner Jacke eine schöne Drapierung. Für genau dieses Rockmodell aber wohl suboptimal. Und dennoch: das Model sehen wir nur im Sprung (haha, wir wissen schon warum – der Sprung vertuscht kurze Beine, die vom Rock optisch gemacht werden, bzw. man wird einfach abgelenkt vom komischen Modell).

Aber am meisten trägt meiner Meinung die Passe dazu bei, dass der Rock nicht so das Wahre ist. Da sie aus so vielen Einzelstücken besteht, die leicht verwechselt werden können (und bei meinem Stoff sieht man außerdem nicht, wo die linke und wo die rechte Seite ist!) war sie außerdem nicht so leicht zu nähen. Da gibt es einfach bessere Modelle.

Durch die kleinen Schnittteile eignet sich das Modell aber sehr gut für die Resteverwertung. Man könnte bei der Passe sicher auch mit Colorblocking spielen. Nur so als Anregung für euch – ich selbst bin raus bei diesem Rock. Kurz habe ich sogar überlegt, das abgepauste Schnittmuster gar nicht aufzubewahren – habs aber im letzten Augenblick anders überlegt. Ich habe ja leider keine Tochter – das wäre ein perfekter Schuluniform-Rock.

Outfit Rock und Jacke selbst genäht
Haha, ich springe natürlich wieder. So schaut der Rock ja richtig gut aus!

Das Gesamtoutfit

Jacke: Burda 08/2019 #110

Rock: Burda 10/2017 #109

Wollstoff Jacke und Rock: aktivstoffe.de

Schuhe: Rieker

Loop aus Wolle-Alpaka Garn: selbst gestrickt, ohne Anleitung, mein allererstes memade Kleidungsprojekt überhaupt!

Pullover: Orsay

In Kooperation mit aktivstoffe.de.

Verlinkt bei: MeMadeMittwoch am 4. Dezember 2019, Create in Austria

6 Comments

  • sewionista

    Schade, dass der Rock dir nicht gefällt. Die Farbe ist einfach toll und er ergänzt die Jacke zu einem schicken Kostüm. Auf den Fotos kommt er toll rüber, aber ich kann auch dein Problem verstehen. Der Rockschnitt hatte mir ursprünglich auch sehr gefallen, bei näherem Betrachten hatte ich genau die Befürchtung, dass die Passe aufträgt. Danke fürs Zeigen und dass du mich vor einem Nähfehler bewahrt hast.

    Liebe Grüße
    Julia

    • Juli

      Ich trage den Rock zumindest im Alltag, also ein totaler Fail ist er nicht. Im Gegenteil, ich habe manchmal das Gefühl, ich brauche nicht nur 100% perfekte Sachen im Kleiderschrank. Es gibt einfach Tage, wo ich einfach keine Lieblingskleidung tragen will – haha, ich weiß nicht, kennt das noch jemand? Schwierig zu erklären.
      Was mich bei der Passe am meisten stört, ist, glaube ich, die Teilungsnaht, die genau meinem Körperverlauf folgt, haha )) Also sie zeichnet quasi ein Dreieck genau da wo er hingehört, also ein absolut blödes Design. Burda haut eben jeden Monat um die 15 neue Schnittmuster heraus, da kann nicht jedes ein Volltreffer sein, das verstehe ich. Deshalb teile ich so gerne auch meine „Fails“ mit der Nähwelt – auch ich wurde da schon des Öfteren vor Frust bewahrt. Stichwort: „Night and Day Dress“, das ich im letzten Augenblick nicht bestellt habe, weil ich im Netz fast nur auf Leute gestoßen bin, die Probleme hatten, es anzupassen. Und ich bin da wirklich keine Meisterin der Anpassungen, da bleibe ich lieber bei Burda & Co, die besser zu meinen Proportionen passen.
      Liebe Grüße Juli

  • Twill & Heftstich

    Interessant, mir geht es genau andersherum: Bis Weihnachten ist es okay, der Spätsommer noch nicht so lange, Weihnachten mit all den bunten Lichtern vor der Tür. Mir schlägt der Winter im Februar aufs Gemüt, da sehne ich mich wirklich nach wärmeren Tagen…
    Für mein Empfinden stimmen die Proportionen bei dem Rock nicht, unabhängig davon, welches Gewicht man hat. Ich kenne solche Hüftpassen eher von Vintage-Röcken, kurzum langen Röcken, wahrscheinlich nicht ohne Grund… Vielleicht lässt sich der Look durch kniehohe Stiefel mit Blockabsatz strecken? Ich kann aber nachvollziehen, warum das kein Liebling wird. Umso größeren Dank, dass Du ihn trotzdem zeigst.
    Und von Deinem hohen Luftsprung bin ich wirklich schwer beeindruckt! Allein dafür, finde ich, hat sich das Nähen gelohnt.
    Liebe Grüße, Manuela

    • Juli

      Ooh, danke für deine lieben Worte!! Ja, ich verstehe das auch nicht, aber ich friere auch in keinem Monat so stark wie im November 🙂 Und Februar ist zumindest schon etwas heller und hat mehr Sonnenstunden, und ist auch schneller vorbei 🙂 Total depressiv werde ich aber, wenn der März viele Tage lang Minusgrade aufweist, dann bin ich wirklich nur am Jammern…
      Ja, ich habe auch das Gefühl, dass das eines der Modelle ist, die wirklich niemandem stehen. Bei Oberteilen kenne ich das, dass ich sage, okay, nicht mein Ding, aber eine Frau mit Kurven würde damit einfach nur toll aussehen! Aber dieser Rock und eine Frau mit Kurven – ne, irgendwie auch nicht.
      Ja, genau, ich bin mit diesem Rock auf hohe Stiefel umgestiegen und das funktioniert viel besser. Ich trage ihn dann halt erst ab Allerheiligen – vor dem ersten November sind bei mir die Winterschuhe noch eingemottet 😉
      Liebe Grüße
      Juli

  • kuestensocke

    Die Farbe ist wirklich der Hammer und mit Deiner Figur kannst Du grundsätzlich alles tragen meine ich. Deine Analyse teile ich jedoch, ein Rock mit Passe und anschließenden Falten ist kein Schlankmacher. Der Grund liegt m.E. in der sichtbaren Naht genau an der breitestesn Stelle des Körpers, davon kann man sich einfach nicht lösen. Der Rock ohne Passe aber mit aufspringenen Falten leicht oberhalb der Hüfte würde anders wirken. Wichtig sind. auch Schuhe, die das Bein nicht verkürzen, Schnürschuhe sind da nicht immer die beste Wahl. Stiefel mit langem Schaft oder Pumps schon eher. Na sei es wie es sei der Stoff ist toll, der Rock etwas anderes im Kleiderschrank und zusammen ergibt sich ein tolles Outfit. LG Kuestensocke

    • Juli

      Hallo, und danke für dein ausführliches Kommentar, ich freue mich immer so, wenn du dich hier zu Wort meldest 🙂 Ja, genau, Röcke mit aufspringenden Falten ab tiefer Taille sind da viel besser, davon habe ich einige! Haha, und ja, die Schnürschuhe, ich wollte den Post nicht noch mehr volljammern, aber das war eine absolut falsche Entscheidung, sie zum Shooting anzuziehen. Seit ich die Fotos gesehen habe, trage ich den Rock nur mehr mit kniehohen cognacfarbenen Stiefeln oder gar schwarzen Overknies. Viel besser!
      Und dafür, dass der Rock wirklich nicht der Hammer ist, trage ich ihn recht oft – er lässt sich halt besser in meinen (Winter-) Alltag integrieren, als meine schicken und geliebten Seidenkleider :))
      Ganz liebe Grüße
      Juli

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