Fishprint Skirt Burdastyle
Nähen

Fischkrieg und Seide – Retro-Rock Burda 02/2019 #107

Der Beitrag enthält Werbung.

Fisch Krieg ist ein Geschäft und Lokal im Salzburger Zentrum direkt am Fluss Salzach und der perfekte Name für meinen Sommerrock, den ich für unseren Urlaub an der Ostsee genäht habe.

Die Seide habe ich ein Jahr zuvor bei Port of Silk in Hamburg gekauft. Meine Motivation, endlich etwas daraus entstehen zu lassen, erwachte aber erst, als es klar war, dass wir bald wieder in den Norden Deutschlands fahren. Der Print ist großartig, aber so ganz und gar nicht Wien!

Rock aus Seide mit Fischprint

Seit meinen allerersten Nähtagen zerbreche ich mir nie den Kopf, wenn ich ein Stück Stoff mit einem schönen auffälligen Print sehe und gerade zu geizig bin, mehr als einen Meter davon zu kaufen. Port of Silk hat sehr angenehme Preise für die hochwertigen Seidenqualitäten, aber dieser seltene Print war natürlich auch dort nicht ganz günstig. Kein Problem, jede Ausgabe von Burda enthält mindestens ein Rockmodell, das mit einem Meter Stoff auskommt!

Füttern vs. Unterfüttern

Ich habe mich für ein Modell aus einer relativ aktuellen Ausgabe von Februar 2019 entschieden. Der Midi-Rock wird als ein richtiges Retro-Modell angepriesen und es werden Stoffe mit viel Stand dafür empfohlen.

Wenn mein schönes kleines Stück Seide etwas nicht vorweisen konnte, dann einen festen Stand. Weich fließend und durchsichtig, feine Seide eben. Futter wäre auf jeden Fall ein Muss für diesen Stoff gewesen, doch ich entschied mich diesmal für eine neue Methode.

Burda Rock 02/2019 Fische

Die englischsprechenden Näherinnen haben eine präzise Unterscheidung, wenn es darum geht, Kleidungsstücke zu füttern oder zu „unterfüttern“. Bei meinen Recherchen habe ich das Gefühl bekommen, dass die Begriffe im Deutschen gar nicht streng getrennt werden – möglicherweise ist die zweite Methode einfach weniger verbreitet? Die Idee, meine Schnittteile zu „unterfüttern“ habe ich auf jeden Fall von einer amerikanischen Nähbloggerin.

Im Englischen unterscheidet man also zwischen „lining“ – wenn ein Kleidungsstück mit einem separaten Futter versehen wird. Das ist das, was die meisten von uns kennen und schon umgesetzt haben. „Underlining“ bedeutet hingegen eine andere Methode – hier werden die einzelnen Schnittteile mit Hilfe von groben Heftstichen mit dem „Unterfutter“ verbunden. Die beiden Stoffschichten werden fortan wie ein einziger Stoff behandelt und weiter verarbeitet.

Silk Skirt underlined with Silk Organza
Die „underlining“ Methode führt zu einer schönen Innenansicht – auch wenn man so krumm und schief mit der Overlock arbeitet wie ich ))

Gefüttert mit blauer Seide

Ich habe mich fürs „Unterfüttern“ bei diesem Modell aus zwei Gründen entschieden: Erstens hoffte ich, dass mein Rock aus dünner Seide dadurch als Ganzes griffiger wird, als wenn zwei quasi unabhängige dünne Stoffschichten im Wind flattern. Zweitens hat das Modell markante Falten am Bund, und ich wollte keine Minute darüber nachdenken, ob ich die Falten beim Zuschnitt des Futters weglassen soll, und wenn, dann wie, etc. etc. Das Originalmodell bei Burda sieht kein Futter für den Rock vor, da ein fester Jaquardstoff mit viel Stand verarbeitet wird.

Als Unterfutter habe ich hellblaue Seide verwendet, die ich schon bei diesem Kleid fürs Futter vernäht habe. Die beiden Stoffschichten miteinander zu verbinden, war kein Problem, da die beiden Seidenqualitäten eine gute Haptik beim Nähen haben und nicht rutschen.

Auf keinen Fall würde ich für die „underlining“- Methode einen „echten“ Futterstoff aus Viskose oder Polyester nehmen. Man muss hier richtig präzise arbeiten, damit nichts beult oder verrutscht – das ist bei rutschigen Stoffen einfach nicht möglich. Ein frei hängendes Futter (zum Beispiel bei einem Rock) oder ein Futter, bei dem Mehrweite einkalkuliert ist (zum Beispiel bei einem Blazer), verzeihen viel mehr.

Die Näherinnen aus dem englischen Sprachraum verwenden hierzu gerne „quilting cotton“ – also feste Baumwolle, aus der sogar Steppdecken genäht werden können. Auch dünne Stoffe funktionieren richtig gut, solange sie eine raue Oberfläche haben und am Hauptstoff quasi haften bleiben. Viele Baumwollqualitäten eignen sich gut dazu, und in meinem Fall auch die feine Seide.

Rock aus Seide Schnittmuster Burda 02/2019
Hmm, für eine Printanpassung hatte ich nicht genug Stoff… So ist es aber auch interessant!

Das Schnittmuster

Ich habe das Glück, dass mir die Röcke von Burda in Größe 34 ohne Änderungen passen. Ich hatte das Pech, dass es diesen Rock erst ab Größe 36 gibt. Also musste ich gradieren – noch ein zusätzlicher Arbeitsschritt, ebenso wie das Unterfüttern.

Die „falschen“ Taschenklappen habe ich nicht gradiert, sondern in Größe 36 belassen. Die Seitentaschen sind bei diesem Modell für alle Größen gleich gezeichnet, wenn ich mich nicht irre. Somit mussten nur 3 Schnitteile verkleinert werden.

Burda Rock 2/2019 Taschenklappe
Falten und Taschenklappe

Ursprünglich wollte ich für die Taschenklappen nur blaue Seide verwenden. Diese Lösung kam mir schließlich zu unruhig vor und ich habe die Klappen noch einmal aus dem Hauptstoff zugeschnitten. Damit waren auch die letzten Überbleibsel des Fischprints verbraucht.

Rock mit Fischprint Schnittmuster Burda

Ich werde diesen Rock auf jeden Fall noch einmal nähen. Ich denke, dieses Modell entfaltet seine Wirkung tatsächlich am besten, wenn man einen festen, etwas steifen Stoff nimmt. Hier macht allerdings der tolle Print viel aus und ich habe schon viele Komplimente zum Rock bekommen!

Nach der Seide aus Hamburg würde ich Wolle aus Lissabon für den nächsten Burda 02/2019 Rock nehmen…

Das Gesamtoutfit

Bluse: mint & berry

Rock: Burdastyle 02/2019 #107

Schuhe: Ancient Greek Sandals

Photobomb: Toddler made by me

By the way: Babymütze mit Fischprint: Name it

Weiße Bluse Rock mit Fischprint

Verlinkt bei: creadienstag #395

One Comment

  • blaupause7

    Was für ein grandioser Druck, diese Fische. Das sogenannte Unterfüttern habe ich tatächlich mal vor ein paar Jahren mit einem Kleid gemacht. Ich hatte einen dünnen pinken Chiffon in einem kühlen Farbton und einen Baumwollstoff in warmms Fuchsia – die beiden aufeinandergenäht und dann wie eine einzige Bahn verarbeitet, gab einen schönen Farbton. Das einzige Pink, das ich überhaupt tragen möchte.

Was denkst du? Red mit!

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