Mini-Tellerrock mit Nadelstreifen
Nähen

Geschäftstüchtig in Nadelstreifen – kurzer Rock fürs Büro

Maskulin, seriös, gedeckt – die perfekte Wahl fürs Büro?
Der hochwertige Wollstoff mit dezenten Nadelstreifen war ein Gelegenheitskauf beim großen Textil-Müller in Kritzendorf: für 3 Euro/Meter musste ich zuschlagen. Gleichzeitig war es mir bewusst, dass ich noch nicht so weit bin, einen klassischen Nadelstreif-Anzug zu schneidern – und außerdem: wäre das eine gute Idee?

Die große Zeit des soliden Nadelstreifens waren die optimistischen Jahre der Finanzbranche, die letzten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Die 2000-er Jahre brachten Umbrüche mit sich, die dem Image des klassischen Banker-Anzugs keinen guten Dienst geleistet haben. Das Zeitalter des Business-Suits ist vorbei; für die nächsten Jahrzehnte, angefangen mit den Roaring Twenties 2.1. sage ich gar den Tod der klassischen Krawatte voraus.

Dennoch kein Grund, das schlichte Muster in Vergessenheit geraten zu lassen, dachten sich schon Designer wie Comme des Garçons oder Dries van Noten.

Und ich dachte: ich fand Nadelstreifen eigentlich immer sexy. Und nähte mir einen Rock. Weil ich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich etwas anderes nähen konnte

Minirock – die Umsetzung

Obwohl ein Tellerrock mit schmalem Bund nun wirklich kein schwieriges Projekt ist, habe ich zum damaligen Zeitpunkt noch die volle Unterstützung meiner Nählehrerin im Kurs gebraucht. Mit ihrer Hilfe zeichnete ich den Schnitt, schnitt zu und machte die erste Anprobe.

„Sehr schön!“ sagten die Kurskolleginnen. „Hm,“ sagte ich.

Zu Hause kam dann der Reißverschluss samt dem Bund und dem roten Futter rein. Und dann kam die zweite Anprobe.

„Eh okay“, sagte mein Mann. „Was stimmt da nicht?“ fragte ich. Wie kann ein kurzer Rock langweilig sein? Ich wollte doch etwas Besonderes! ein Designerstück! Ich habe keine endlosen Modelbeine, vielleicht steht mir diese Art von Rock einfach nicht?

Zu diesem Zeitpunkt maß der Rock etwa zwei Handbreit über dem Knie. Ein klassischer kurzer weiter Rock. „Da muss was ab“, sagte mein Mann. Okay, aber nur 4 cm! Sonst kann ich mich ja nicht bücken, und überhaupt.img_9627

Zum Schluss wurden es sicher 20 cm bis zur aktuellen Länge. Mit jedem Griff zur Schere hat es mir immer besser gefallen. Und außerdem – warum soll ich mich im Alltag überhaupt bücken?

Mag sein, dass die Saumlinie nach den insgesamt 4(!) Längenanpassungen (wenn ich mich nicht irre, alle ohne Saumabrunder!) nicht mehr ganz perfekt gerade ist. Bei einem Tellerrock sowieso immer problematisch. Who cares!

Damit der Saum so schön steif fällt, wie gestärkt, habe ich innen noch ein rotes Schrägband für den extra Stand angenäht. Auch durch das Futter fällt der Rock noch schöner.

Für den Bund habe ich eine spezielle 2 cm Bundeinlage verwendet – ich habe sogar das zwei Jahre alte Foto vom Zuschnitt gefunden, wieso habe ich es überhaupt gemacht?

2015-11-14-09-04-25

16,25 ist übrigens ein Viertel meines damaligen Taillenumfangs 🙂 Die Viertel müssen natürlich auf dem Bund markiert werden, damit der Bund schön auf den Rock aufgenäht werden kann!

Und fürs Büro?

Die Antwort ist ja! Ich liebe den Rock immer noch und trage ihn sehr häufig im Winter.

Im Sommer lasse ich ihn im Schrank, nicht nur, da der Wollstoff so warm ist, sondern, da eine blickdichte Strumpfhose bei dieser Länge doch ein Muss ist 😉

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8 Comments

  • Dorothea

    Toller blog! Ich mag alle deine werkstücke, alle!!!
    Fotos, Text…… wahrhaft inspirierend!
    Sehr spannend zu sehen, wie du das beste aus deiner Grösse machst.
    Werde versuchen dir nachzueifern und für meine 189 cm tragbare Stücke zu schneidern.
    2 modelle sind schon in Arbeit! Insofern in Arbeit, da ich Modell, stoff und mich innerlich bildere
    Kann ich dich nach deiner nählehrerin fragen.?
    Lebe auch in wien und brauche noch etwas Unterstützung.
    Danke
    Dorothea

    • Juli

      Liebe Dorothea,
      hallo und willkommen, freut mich, dass du hier Inspirationen für dich findest. Trau dich! Das, was beim ersten Mal schwierig erscheint, ist spätestens beim vierten-fünften Mal ein Klacks 🙂
      Ich habe anfangs lange Zeit Kurse gemacht, in erster Linie bei VHS (Simmering, Favoriten und auch einmal im fünften Bezirk). Ich hatte immer gute Lehrerinnen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Es sind meistens offene Kurse, dh. jede Teilnehmerin näht ihr eigenes Projekt. Das hat einen Vorteil: wenn man die ganze Zeit fleißig die Ohren spitzt, hört man sehr viele Erklärungen, Hinweise, wertvolle Tipps… die die Arbeiten von anderen betreffen, für die man selber noch gar nicht soweit ist. Ich profitiere immer noch von dem Wissen, das ich damals inhaliert habe )) Dann habe ich eine Ausbildung bei der Modeakademie Sitam angefangen und ein Jahr lang gemacht, bis ich schwanger geworden bin. Auch da habe ich viel gelernt, vor allem übers Konstruieren. Ich konstruiere meine Kleidungsstücke nicht mehr selbst, bin aber froh, das Basiswissen zu haben.
      Es haben mir jeder Kurs und jedes Workshop viel gebracht – es ist egal, womit man anfängt! Mehrere Lehrerinnen und Lehrer zu haben ist von Vorteil 😉
      Viel Spaß und Erfolg wünsche ich dir!
      Liebe Grüße
      Juli
      Liebe Grüße

  • sabinemichaela

    Der Rock ist einfach nur fabelhaft. Die Kombination aus Tellerrock-Mini mit Nadelstreifen und als Höhepunkt leuchtend rotes Futter das hervorblitzt. Einfach nur toll.
    lg Sabine

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